Social Media Plattformen für Jugendliche verbieten?
Kein Werkzeug ohne Anleitung
Online Plattformen sind für Jugendliche Kommunikationsraum, Informationsquelle und sozialer Treffpunkt. Pauschale Ausschlüsse lösen das Problem nicht, sie nehmen Jugendlichen die Möglichkeit, den Umgang mit diesen mächtigen Werkzeugen schrittweise und sicher zu erlernen. Das gehört heute zur digitalen Mündigkeit. Aber weil die Schäden zu real und zu gross geworden sind, wächst der Druck auf Politik und Plattformen zu Recht weltweit.
Die Altersschranken kommen sowieso
In Australien sind die schon da, bald in der EU, und die Schweizer Bevölkerung will das laut Umfragen deutlich. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie. Bei Pornographie ist das schnell erklärt. Etwas anspruchsvoller aber dennoch lösbar wird es bei Algorithmen, die Kinder und Jugendliche in Aufmerksamkeitsschleifen ziehen, enormen Vergleichsdruck erzeugen und nachweislich psychische Schäden hinterlassen. Niemand würde akzeptieren, dass am Kiosk Zigaretten und Bier ohne Alterskontrolle verkauft werden. Warum sollte das im Netz anders sein?
Keine Überwachung durch die Hintertür
Technisch gibt es dabei eine rote Linie: Altersverifikation darf nicht zur Hintertür für Massenüberwachung werden. Sie muss anonym funktionieren können. Die E-ID, die vorausschtlich Ende Jahr einsatzbereit ist, wird dafür ein wichtiges Werkzeug sein.
Symptome behandeln reicht nicht
Aber machen wir uns nichts vor: Altersschranken sind kein Allheilmittel. Das Grundproblem ist ein Geschäftsmodell, das unsere Aufmerksamkeit als Rohstoff betrachtet und maximal ausbeutet. Dagegen helfen keine Altersgrenzen allein.
Wir brauchen bessere Plattformen
Was wir wirklich brauchen, sind bessere Alternativen. Nicht solche, die uns aufpeitschen, sondern solche, die informieren, verbinden und den Zusammenhalt stärken. Nicht nur für Kinder und Jugendliche, für uns alle. Als digitaler Service Public gedacht. Die Debatte darf nicht beim Zähmen von Big-Tech stehenbleiben. Es geht ums Gestalten.
Siehe auch SRF Politik-Debatte vom 15. April 2026